RAin Dr. Susanne Berner, Vorsitzende des Fachanwaltsausschusses für Insolvenzrecht, antwortet

RAin Dr. Susanne Berner

Dr. Susanne Berner, Fachanwältin für Insolvenzrecht und Insolvenzverwalterin, ist Vorsitzende des Fachanwaltsausschusses für Insolvenzrecht. Sie hat in Bochum studiert und dort über ein insolvenzrechtliches Thema promoviert, bevor sie zum Referendariat nach Berlin kam. Im Jahr 2006 gründete sie ihre Kanzlei, die heute neben dem Hauptstandort in Berlin-Charlottenburg Niederlassungen in sieben Bundesländern unterhält.

 

Warum sind Sie Rechtsanwältin geworden?

Schon während des Studiums und Referendariats habe ich mich für das Insolvenzrecht und die Insolvenzverwaltung interessiert und bei namhaften Insolvenzverwaltern gearbeitet. Mein Ziel, Rechtsanwältin und Insolvenzverwalterin zu werden, stand daher frühzeitig fest. Auch nach 15 Jahren Insolvenzverwaltertätigkeit reizen mich die Vielfältigkeit meiner Aufgaben und die Kombination von juristischen und betriebswirtschaftlichen Themen.

 

Ihre Vorbilder in der Anwaltschaft?

Mein Ausbilder Rechtsanwalt und Notar Prof. Rolf Rattunde, der leider im letzten Jahr plötzlich verstorben ist, hat mich und meine Arbeitsweise sehr geprägt.

 

Welche drei Eigenschaften sollte eine gute Rechtsanwältin oder ein guter Rechtsanwalt haben?

Kommunikationsstärke, Entscheidungsfreudigkeit und Verhandlungsgeschick, gepaart mit sicheren Rechtskenntnissen und einem guten schriftlichen und mündlichen Ausdruck, halte ich für besonders wichtig.

 

Wem empfehlen Sie, den Anwaltsberuf zu ergreifen?

Der Anwaltsberuf erfordert einen hohen persönlichen Einsatz für die Interessen des Mandanten sowie Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft. Wer dies nicht scheut, wird den Anwaltsberuf lieben.

 

Welche berufsrechtlichen Vorschriften für die Anwaltschaft halten Sie für notwendig oder aber für überflüssig?

Zwingend notwendig sind aus meiner Sicht die Regelungen zur Unabhängigkeit und Verschwiegenheit des Rechtsanwalts sowie die Vorschriften zum Verbot von Interessenkollisionen. Inwieweit Regelungen zu einem Berufsrecht für Insolvenzverwalter geboten sind, diskutieren wir gerade intensiv mit den Vertretern des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz.

 

Worum geht es Ihnen bei Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in nächster Zeit?

Im Fachanwaltsausschuss für Insolvenzrecht haben wir uns bereits vor einiger Zeit für die Öffnung des Fachanwaltstitels auch für die Kollegen, die nicht Insolvenzverwalter, sondern beratend tätig sind, ausgesprochen. Seither beschäftigen wir uns zunehmend mit Einzelfragen der Auslegung der Fachanwaltsordnung.

 

Was war Ihr Beweggrund für dieses Ehrenamt?

Ich mag es, über den Tellerrand hinauszuschauen und berufsrechtliche Themen voranbringen zu können. Beides war und ist mit der Tätigkeit im Fachanwaltsausschuss umsetzbar. Zudem bildet die Zusammenarbeit mit den Ausschusskollegen eine gute Möglichkeit des Austausches.

 

Wieviel Zeit benötigen Sie für diese Aufgabe?

Die Koordination und Bearbeitung der Fachanwaltsanträge kostete in den letzten Jahren vergleichsweise wenig Zeit, weil die Anzahl der gestellten Anträge überschaubar war. In den letzten beiden Jahren sind mehr Anträge zu verzeichnen, so dass der Aufwand gestiegen, aber gut händelbar ist.

 

Wofür fehlt der Anwaltschaft die Zeit?

Die Anwaltschaft sollte sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung und des Datenschutzes beschäftigen. Mein Eindruck ist, dass dafür häufig die Zeit fehlt.

 

Nutzen Sie soziale Netzwerke?

Bestimmte berufsbezogene soziale Netzwerke wie z.B. Linked In, nutze ich regelmäßig.

 

Was macht Sie wütend?

Stilistisch schlechte Schriftsätze und überhebliche Verhandlungsführung verärgern mich.

 

Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen und mit welchem Titel versehen?

Als Insolvenzverwalterin erhält man oft spannende und kuriose Einblicke in das Unternehmertum, die sich bestimmt für ein Buch eignen würden. Momentan würde mir die Muße fehlen, sie niederzuschreiben; vielleicht ändert sich das noch.

 

Welche Veränderungen im Berufsalltag schätzen Sie besonders?

Die elektronischen Kommunikations- und Aktenbearbeitungsmöglichkeiten erleichtern den Berufsalltag sehr. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit der elektronischen Akte, die uns eine standortübergreifende Arbeit problemlos ermöglicht und auch in der Corona-Zeit ausgesprochen hilfreich war.

 

Mit wem würden Sie gerne einen Tag die Rolle tauschen?

Für einen Tag würde ich gerne mit Frau Merkel tauschen, allerdings nicht länger!

 

Haben Männer es in ihrem Beruf leichter als Frauen?

Obgleich der Insolvenzverwalterberuf immer noch männerdominiert ist, habe ich es nie als Nachteil empfunden, Insolvenzverwalterin zu sein. Im Gegenteil sind von Rechtsanwältinnen geführte Verhandlungen nach meiner Beobachtung häufig sogar zielführender, weil sie nicht von vergleichenden Betrachtungen und gegenseitigem Überbieten geprägt sind. Zur Realität gehört aber auch, dass Rechtsanwältinnen gerade im häufig konservativen Anwaltsumfeld immer noch eine starke Lobby benötigen.

 

Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?

Meine größte Schwäche ist meine ausgeprägte Ungeduld, die mir umgekehrt ein schnelles und zielgerichtetes Handeln ermöglicht, das sicherlich eine Stärke ist.

 

Ihr größter Flop?

Bislang gab es zum Glück noch keinen wirklich großen Flop. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt natürlich auch die Erfahrung im Umgang mit Mandanten und Mitarbeitern, so dass ich heute an vielen Stellen gelassener bin als in den ersten Jahren meiner Anwaltstätigkeit.

 

Was lesen / hören / schauen Sie morgens als erstes?

Das Handelsblatt und Bilderbücher meiner Tochter.

 

Ihr liebstes Hobby?

Ich lese gerne und viel und verbringe Zeit mit meiner Familie.

 

Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückblickend anders treffen?

Da ich sehr gerne Anwältin und Insolvenzverwalterin bin, würde ich alles genau so machen, wie ich es gemacht habe. Vor allem würde ich wieder meine eigene Kanzlei gründen.

 

Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem Berufsweg besonders geholfen?

Auf mein Bauchgefühl zu hören, wichtige Entscheidungen zu „überschlafen“ und Präsenzsitzungen möglichst kurz zu halten.

Kammerton 06/07-2020