RA Thomas Staudacher, Vorsitzender des FA-Ausschusses für Sozialrecht und im Sozialausschuss, antwortet

RA Thomas Staudacher, Vorsitzender des Fachanwaltsausschusses für Sozialrecht und Mitglied des Sozialausschusses

Rechtsanwalt Thomas Staudacher ist Partner bei Janssen & Staudacher Rechtsanwälte PartGmbB in Berlin, Fachanwalt für Sozialrecht, Fachanwalt für Familienrecht und Fachanwalt für Erbrecht. Er ist seit 2001 Mitglied des Fachanwaltsausschusses Sozialrecht, seit 2016 dessen Vorsitzender und seit 2015 Mitglied des Sozialausschusses der Rechtsanwaltskammer Berlin.

 

Warum sind Sie Rechtsanwalt geworden?

Als Kind in einer Familie mit 5 Kindern, mit einem schwer mehrfach behinderten Bruder und Eltern, die bei der Versorgung meines Bruders auf meine Geschwister und mich angewiesen waren, war mir das Engagement für andere mit auf den Weg gegeben. Dabei habe ich früh begonnen mich mit Recht auseinanderzusetzen, so etwa mit der Satzung der Schülermitverwaltung oder den rechtlichen Fragen um Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst. Mit der Entscheidung für meinen Zivildienst in einem Wohnheim für geistig behinderte Erwachsene schien mir ein Beruf im sozialen Bereich vorgezeichnet, nach dieser Zeit habe ich mich jedoch für das Jurastudium entschieden, da ich mein Helfersyndrom etwas distanzierter von meiner eigenen Betroffenheit als Angehöriger eines behinderten Menschen ausleben wollte.

Ihre Vorbilder in der Anwaltschaft?

Mein Ausbilder in der Anwalts- und Wahlstation, der Berliner Rechtsanwalt und Notar Dirk Siegfried, der sich seit langem für die Rechte von geflüchteten Menschen und LGBTI* einsetzt.

Welche drei Eigenschaften sollte eine gute Rechtsanwältin oder ein guter Rechtsanwalt haben?

Einfühlungsvermögen in die Gefühls- und Gedankenwelt von MandantInnen, GegnerInnen, RichterInnen und Anwaltskolleg/innen, Geschick als Unternehmer/in, die Fähigkeit, die eigene juristische Position aus den Augen der anderen zu sehen.

Wem empfehlen Sie, den Anwaltsberuf zu ergreifen?

Allen, die die große Vielfalt an anwaltlichen Tätigkeiten, die persönliche Unabhängigkeit und die Freiheit der Berufsausübung  zu schätzen wissen, und die keine allzu großen Sicherheitsbedürfnisse davon abhalten.

Welche berufsrechtlichen Vorschriften für die Anwaltschaft halten Sie für notwendig oder aber für überflüssig?

Ich halte die Fortbildungsverpflichtung, die Verschwiegenheitspflicht und das Verbot der Vertretung widerstreitender Interessen für notwendig.

Worum geht es Ihnen bei Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in nächster Zeit?

Da auch an der Anwaltschaft die Corona-Krise nicht spurlos vorbeigehen wird, wird es KollegInnen geben, die auch mit Soforthilfen, Förderkrediten oder notfalls der durch das Corona-Virus-Sozialschutzpaket möglichen AlG-II Antragstellung  unter erleichterten Voraussetzungen  in wirtschaftliche Not geraten werden. Für diese KollegInnen sollte der Sozialausschuss der Kammer  in geeigneten Fällen Unterstützung leisten.

Was war Ihr Beweggrund für dieses Ehrenamt?

Ich war bereits längere Zeit Mitglied des Fachanwaltsausschusses Sozialrecht, als ich zu dessen Vorsitzendem berufen wurde. In diesem Zusammenhang wurde ich von der Kammer gefragt, ob ich auch eine Tätigkeit im Sozialausschuss übernehmen würde.

Wieviel Zeit benötigen Sie für diese Aufgabe?

Der Sozialausschuss behandelt Anträge formlos und meistens durch Austausch über die Anträge per Email oder Telefon und gelegentlichen Sitzungen. Hierfür fallen 1-2 Stunden alle paar Monate an. Für die Tätigkeit als Ausschussvorsitzender des Fachanwaltsausschusses Sozialrecht fallen im Quartal zwischen  5 und 10 Stunden an.

Wofür fehlt der Anwaltschaft die Zeit?

Für mehr Engagement für Menschenrechte und  für verfolgte Kolleginnen und Kollegen.

Nutzen Sie soziale Netzwerke?

Wenig bis gar nicht.

Was macht Sie wütend?

Wut ist kein guter Ratgeber.

Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen und mit welchem Titel versehen?

Ich sehe meine Qualitäten nicht beim Schreiben von Büchern.

Welche Veränderungen im Berufsalltag schätzen Sie besonders?

Ich schätze die Digitalisierung des Büroalltags mit elektronischer Akte, elektronischer Kommunikation  und der nicht zuletzt in der aktuellen Situation erleichterten Möglichkeit flexibel überall arbeiten zu können.

Mit wem würden Sie gerne einen Tag die Rolle tauschen?

Mit einer/einem RichterIn am Familiengericht oder Sozialgericht.

Haben Männer es in ihrem Beruf leichter als Frauen?

Das kommt sehr auf die einzelne Konstellation an und lässt sich kaum pauschal sagen.

Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?

Ich komme gut auch mit schwierigen Mandanten zurecht und kann mich schnell auf neue Situationen einstellen. Ich bin ungeduldig.

Ihr größter Flop?

Ich halte es mit „Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heitren Stunden nur.“

Was lesen / hören / schauen Sie morgens als erstes?

Inforadio im Bett, Süddeutsche Zeitung beim Frühstück.

Ihr liebstes Hobby?

Jeden Morgen Schwimmen gehen.

Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückblickend anders treffen?

Keine mit der ich hadern würde.

Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem Berufsweg besonders geholfen?

Der Rat, frühzeitig eine Spezialisierung über Fachanwaltskurse zu betreiben.

Kammerton 04-2020