Wie werde ich Anwaltsnotar/in? - die Karrieremöglichkeit für Frauen!

Von RAin Ulrike Silbermann, Vorstandsmitglied und Notarbeauftragte der Rechtsanwaltskammer Berlin

Nach einer Reihe von Berufsjahren als Rechtsanwältin/ Rechtsanwalt kann man sich die Frage stellen, ob es nicht auch etwas Neues für sich zu entdecken gibt. Warum also nicht Anwaltsnotar/in werden! Die Anzahl der Notare und Notarinnen in Berlin geht seit Jahren stetig zurück. Der Rückgang der Notariate in Berlin ist auf das Erreichen der Altersgrenze von 70 Jahren bei einer Reihe von Kollegen/innen zurückzuführen. Gleichzeitig gibt es nicht genügend Bewerber/innen für die ausgeschriebenen Notarstellen. Bei der letzten Ausschreibung der Senatsverwaltung für Justiz,  Verbraucherschutz und Antidiskriminierung sind im November 2019 129 Stellen ausgeschrieben worden. Wahrscheinlich ist, dass diese Stellen mangels Bewerber, die die Voraussetzungen der notariellen Fachprüfung bestanden haben, nicht vollständig besetzt werden können. Voraussetzung für die Bestellung zum Anwaltsnotar/in ist gem. § 7a Bundesnotarordnung, dass man erfolgreich die notarielle Fachprüfung abgelegt hat. Die notarielle Fachprüfung ist einem dritten Staatsexamen gleich zu setzen und besteht aus schriftlichen Prüfungen und einer mündlichen Prüfung. Nur wer diese Prüfungen besteht, hat die Möglichkeit sich auf eine von der Senatsverwaltung ausgeschriebene Stelle zu bewerben. Wie man schon aus den vorangegangenen zwei Staatsexamina weiß, ist der zeitliche Vorbereitungsaufwand enorm. Daneben fallen noch Prüfungsgebühren an.

Verlockend ist aber die Aussicht auf die Bestellung als Notar und Notarin und die neue Aufgabe. Die Tätigkeit als Anwaltsnotar/in lässt sich zeitlich flexibel gestalten und bietet daher gerade für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter ein wirtschaftlich attraktives, abwechslungsreiches Betätigungsfeld. Gerade für Mütter und Väter, die neben dem Beruf sich noch um die Kindererziehung kümmern, ist das Berufsfeld des Anwaltsnotars/der Anwaltsnotarin attraktiv, da keine Gerichtstermine wahrzunehmen sind und Notariatstermine frei vergeben werden können. Für Kollegen und Kolleginnen, die schon länger selbstständig als Rechtsanwalt/Rechtsanwältin arbeiten, bringt die Tätigkeit als Anwaltsnotar/Anwaltsnotarin auch eine Abwechslung, da im Gegensatz zur anwaltlichen Tätigkeit der Notar neutral die Parteien beraten muss und keine Interessenvertretung schuldet. Die Herangehensweise des Notars/der Notarin an einen Fall ist daher eine völlig andere als die eines Rechtsanwalts/einer Rechtsanwältin. Es ist in der Arbeitsweise sicher eine Umstellung und Herausforderung, aber mit Sicherheit eine Bereicherung zur bisherigen Tätigkeit.

Die Rechtsanwaltskammer Berlin und die Arbeitsgemeinschaft Anwaltsnotariat im DAV informieren am 26.3.2020 in einer Veranstaltung interessierte Kollegen und Kolleginnen unter dem Titel:

Wie werde ich Anwaltsnotar/in? – Eine Karrieremöglichkeit für Frauen!

Zum Programm und zur Anmeldung

Erreicht werden soll, dem negativen Besetzungstrend der Notariate in Berlin entgegenzuwirken und Alternativen der beruflichen Weiterentwicklung neben dem Erwerb einer Fachanwaltschaft für die Kollegen und Kolleginnen aufzuzeigen. Die Veranstaltung richtet sich auch an junge Notare/innen, da gestandene Notare und Notarinnen ihre Erfahrungen mit dem Aufbau eines eigenen Notariats weitergeben werden.

Diejenigen, die zukünftig als Notare/innen bestellt werden, können damit rechnen, dass sie auf jeden Fall ein Notariat aufbauen können, welches ihnen auch wirtschaftlich Einnahmen sichert. Die Zahl der Notariatsgeschäfte in Berlin wird vermutlich nicht sinken, da die Einwohnerzahlen steigen,  und daher ein auskömmliches Wirtschaften im Notariatsbereich ermöglichen. Daran wird sich auch nichts durch die Erhöhung der Bedarfszahlen in der AVNot Berlin ändern.

Die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung hat aktuell, veröffentlicht im Amtsblatt für Berlin am 10. Januar 2020, die Bedürfniszahl, die maßgeblich ist, wie viele Stellen ausgeschrieben werden, von 275 auf 350 erhöht. Dies bedeutet, dass in Zukunft weniger Stellen ausgeschrieben werden, die über die Ermittlung der Bedarfszahl von der Senatsverwaltung ermittelt werden. Gleichwohl werden alle zwei Jahre 30 sogenannte Altersstrukturstellen ausgeschrieben. Da sich in den kommenden Jahren besonders viele Notare/Notarinnen in den Ruhestand begeben werden, ist allerdings damit zu rechnen, dass neben den Altersstrukturstellen auch weitere Bedarfsstellen ausgeschrieben werden. Die Rechtsanwaltskammer Berlin hat ein Interesse daran, dass das Anwaltsnotariat weiter bestehen bleibt und freiwerdende Notariatsstellen auch besetzt werden.

Kammerton 01/02-2020